Lagerungsschwindel

Was ist Lagerungsschwindel?

Wenn Sie im Bett liegen und es Ihnen in bestimmten Positionen oder nach dem Herumdrehen schwindelig wird, spricht man von Lagerungsschwindel. Lagerungsschwindel kann ziemlich unangenehm sein und sollte alsbald in einer Schwindelambulanz untersucht werden.

Lagerungsschwindel
Bei einer ausführlichen Schwindeluntersuchung werden auch Elektroden auf die Haut geklebt

Dauerhafter Lagerungsschwindel schränkt die Lebensqualität spürbar ein. Lagerungsschwindel kann sich verstärken, wenn Sie die Augen schließen. Lagerungsschwindel kann auftreten, wenn man auf einer bestimmten Seite liegt, beispielsweise links. Dreht man sich nach rechts, kann der Schwindel zurück gehen oder verschwinden. Hier gibt es einen einfachen Trick, dem Lagerungsschwindel vorzubeugen. Vor dem Schlafengehen, einen mit Decken oder Kissen gefüllten Rucksack aufziehen und dann auf der „gesunden“ Seite hinlegen. Ein unbeabsichtigtes Drehen während des Schlafes ist nicht so einfach möglich, weil der Rucksack die Drehung hindert.

Begleiterscheinungen

Begleiterscheinungen des Lagerungsschwindel können Übelkeit, Erbrechen und Unwohlsein sein. Die damit verbundenen Probleme sind lösbar, wenn den Ursachen z.B. in einer Schwindelambulanz auf den Grund gegangen wird.

Das Gleichgewichtsorgan

Im Gleichgewichtsorgan befinden sich kleine Kristalle („Steine“), die über Sinneshärchen angebunden sind. Reißen diese Verbindungen, können die Steine in die falschen Regionen kullern und Schwindel auslösen. Durch bestimmte Lagerungsübungen können die Steine zurück an die richtige Stelle geschüttelt werden. Auch ein umfangreiches Schwindeltraining kann das Auftreten von Lagerungsschwindel reduzieren.

Lagerungsschwindel
Das Gleichgewichtsorgan am Innenohr, hier laufen viele Informationen zusammen.

In jedem Falle ist eine Untersuchung in einer Schwindelambulanz zu empfehlen.

Welche Schwindelarten gibt es?

Bei einer Erkrankung tritt der Schwindel meist ohne einen äußeren Reiz. Je nach der Art des Schwindels kann man diese wie folgt unterscheiden:

Drehschwindel:

Der sogenannte „horizontale Drehschwindel“ ruft Gefühl wie in einem Karussell hervor, als hätten wir einen Drehwurm. Menschen mit „vertikalem“ Drehschwindel haben das Gefühl in einem Lift zu sitzen der nach oben fährt oder dauernd ins Bodenlose fällt.
Drehschwindel tritt als Attacke für Sekunden bis Stunden, selten tagelang auf. Einen echten Dauerdrehschwindel gibt es nur in wenigen Ausnahmefällen. Die Ursache hierfür könnte dann eher eine Beschädigung („Läsion“) der Gleichgewichtsnerven im Hirnstamm, dem hinteren unteren Anteil des Gehirns sein. Eine Abklärung und Behandlung des Drehschwindels sollte bei einer dafür ausgerüsteten Schwindelambulanz oder beim Neurologen erfolgen. Mitunter kommt es vor, dass sich an die Drehschwindelattacke eine länger andauernde andere Schwindelart anschließt. Die Unterscheidung der Schwindel arten ist für die spätere Behandlung sehr wichtig.
Durch eine bestimmte Änderung der Kopflage (Lagerungsschwindel) oder das Einnehmen einer Kopflage (Lageschwindel) kann häufig Drehschwindel ausgelöst oder verstärkt werden.

Vestibulärer Schwindel:

Dieser Schwindel lässt rührt von einer Störung einer der beiden Gleichgewichtsorgane her und ist meist mit einer Hörstörung verbunden. Hör- und Gleichgewichtsorgane liegen eng beieinander und sind durch einen Kanal miteinander verbunden. Denkbar wäre auch die Schädigung des Gleichgewichtsnerven. Dieser transportiert die Informationen vom Gleichgewichtsorgan ins Gehirn. Das sollte in einer Schwindelambulanz abgeklärt werden.

Cervikaler Schwindel:

Durch chronische Verspannungen und Fehlhaltungen im oberen Halswirbelsäulenbereich kann diese kurze, höchstens Sekunden anhaltende Schwindelattacke ausgelöst werden. Das sollte in einer Schwindelambulanz abgeklärt werden.

Schwankschwindel:

Der Schwankschwindel wird von Betroffenen „wie betrunken“ charakterisiert. Er tritt bei einer Überdosis Alkohol auf, kann aber von anderen Schädigungen im Bereich des Hirnstammes herrühren, oft durch unspezifische oder verschiedene Ursachen vor. Im Gegensatz zum Drehschwindel ist der Schwankschwindel nicht so klar definierbar. Er kann mit sichtbaren oder auch nicht sichtbaren Gleichgewichtsstörungen verbunden sein. Schwankschwindel sollte von einer dafür ausgerüsteten Schwindelambulanz oder einem versierten Neurologen weiter untersucht werden.

Ohnmachtsgefühl:

Eine Ohnmacht, die aufgrund einer Fehlregulation des Blutkreislaufes vorkommt, wird angekündigt durch aufsteigendes Unwohlsein und Schwarzwerden vor den Augen. Bei der Ohnmacht muss es nicht zum Hinfallen kommen. Eine solche Fehlfunktion des Kreislaufs kann harmlos auftreten, wenn man z.B. morgens zu schnell aus dem Bett aufsteht oder sogar wenn man eine freudige oder schlechte Nachricht erhält. Jedoch kann auch eine ernsthafte Herz- Kreislauferkrankung der Grund dafür sein. Eine internistische Abklärung ist hier erforderlich.

„Unspezifischer“ Schwindel:

Schwindelformen, die sich nicht gut beschreiben oder einordnen lassen fallen darunter. Da man in der medizinischen Abklärung meist nichts findet, bereiten sie häufig Probleme. Dies verursacht eine zusätzliche Verunsicherung, die den Schwindel verstärken kann, da man sich auf eine Odyssee von Arzt zu Arzt begibt.

Mit folgenden Erscheinungen geht Schwindel einher:

  • diffuse Angst
  • Phobien
  • Depressionen
  • Sehstörungen
  • Medikamentenunverträglichkeit, -überdosierung oder -abhängigkeit
  • chronische Vergiftungen anderer Art

Formen des unspezifischen Schwindels

Zwei Formen des unspezifischen Schwindels wollen wir hier erklären:

Überaufmerksamkeitsschwindel:

Die unterschiedlichen Aufnahmen der der verschiedenen Sinne für das Gleichgewicht werden erst dann wahrgenommen, wenn diese ein gewisses Maß überschreiten. Wenn man schwierige Situationen gewöhnt ist , kann diese Schwelle sehr hoch liegen.
Bei manchen Menschen und in bestimmten Phasen des Lebens kann die Schwelle jedoch auch sehr niedrig liegen. Dann tritt jede kleinste Unstimmigkeit ins Bewusstsein. Schon einfachste Situationen wie das Hinlegen oder Gehen können ein Schwindelgefühl auslösen. Die Ansprechschwelle wird zusätzlich weiter gesenkt, wenn man sich zunehmend darauf konzentriert, um die feinsten Unterschiede wahrzunehmen. Dies kann bis zu einer Situation führen, in der es nicht mehr möglich ist, echte Bedrohungen von harmlosen Situationen zu unterscheiden und so wird Schwindel schon in gewöhnlichsten Alltagsmomenten ausgelöst. Alarm und Fehlalarm sind nicht mehr zu unterscheiden.

Eine solche gestörte Körperwahrnehmung führt zu ständigen Stresszuständen und es folgen Erkrankungen wie Schlafstörungen, hoher Blutdruck und allgemeiner Leistungsabfall.

Der Schlüssel zum Verständnis einer solchen Entwicklung liegt in der Regel bei der Lebensgeschichte des Betroffenen.

Insuffizienzschwindel:

Durch den Insuffizienzschwindel zeigt uns der Körper an, dass wir mit einer gewissen Situation überlastet sind. Dazu kommen meist Konzentrations- Merkfähigkeits-Störungen.

Das liegt daran, dass wir uns mit der uns gestellten Aufgabe übernommen haben oder dass aufgrund des Alters oder einer neurologischen Krankheit unsere geistigen Kräfte schwinden.

Der Schwindel ist hier also nicht das Ergebnis einer körperlichen Dissonanz, sondern einer Störung des seelischen Gleichgewichts.

Häufige Fragen zum Thema (FAQs)

Was ist Schwindel genau?

Nach den Kopfschmerzen ist Schwindel das zweithäufigste Leitsymptom. Häufig haben die Schwindelsymptome eine gutartige Ursache und sie lassen sich korrekt diagnostizieren, wenn die Einordnung der Krankengeschichte sorgfältig erfolgt. Oft lassen sie sich wegen des günstigen Verlaufes erfolgreich therapieren. Schwindel ist ein unspezifisches Syndrom und keine einheitliche Krankheit. Es ergibt sich aus verschiedenen Erkrankungen unterschiedlicher Ursachen.
Was sind die Ursachen für Schwindel und wie kann man vorbeugen?
Schwindelgefühle kommen häufig von einer Störung des Gleichgewichtsorgans im Ohr. Einige andere Ursachen sind zu wenig Flüssigkeit im Körper, eine Herz- Kreislaufschwäche, Durchblutungs- oder Stoffwechselstörungen. Der Hausarzt sollte Auskunft darüber geben können ob es sich um eine organische Ursache handelt. Wenn nicht kann man mit mindestens zwei bis drei Liter Wasser pro Tag, zwanzig Minuten frischer Luft und genügend Bewegung vorbeugen. Auf Genussmittel wie Alkohol, Nikotin, Kaffee und Tee sollte man verzichten.

  • Welche Untersuchungen kommen in Frage ?
  • Akustikusneurinom – Kernspintomographie (MR)
  • Abnützung der Halswirbelsäule – Röntgen
  • Durchblutungsstörungen – Doppler-Sonographie der Gefäße
  • Entzündung des Hörnervs – Blutuntersuchung
  • Enzephalitis – Blutuntersuchung Lumbalpunktion
  • Epilepsie – Elektroenzephalogramm (EEG)
  • Felsenbeinbruch – Röntgen Computertomographie (CT)
  • Gutartiger Lagerungsschwindel – Gleichgewichtsprüfung
  • Migräne – Neurologische Untersuchung
  • Morbus Meniere – Hör- und Gleichgewichtsprüfung
  • Multiple Sklerose – Kernspintomographie (MR), Lumbalpunktion
  • Neuronitis vestibularis – Gleichgewichtsprüfung
  • Schädelbasisbruch – Röntgen Computertomographie (CT)
  • Schlaganfall / TIA – Computertomographie (CT) und/oder Doppler-Sonographie der Gefäße

Welche Arten von Drehschwindel gibt es?

Vestibulärer Schwindel:

  • Störung in einem Gleichgewichtsorgan
  • häufig begleitet von Hörstörungen
  • erfolgt in der Regel attackenweise

Cervikaler Schwindel:

  • chronische Verspannungen und Fehlhaltungen im Halswirbelsäulenbereich
  • kurze Schwindelattacken

Bei Schwindelgefühlen gilt es folgendes zu beachten:

Wird ein Schwindel schon ausgelöst, obwohl Sie sich vergleichsweise gering belasten, dauert er nach einem Ereignis wie Karussell fahren, Unfall mit Aufprall, oder einem Schreck noch Stunden an oder tritt er anfallsweise auf, so sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bei den Untersuchungen unterscheidet man ganz gezielt in die Symptome und das Körperteil wo der Schwindel hervorgerufen wird. Dementsprechend werden dann auch die Behandlungsmethoden gewählt.

Der Hörnerv:

Ist der Hörnerv erkrankt, kann das viele Ursachen haben. Sollte eine Entzündung vorliegen, muss Blut abgenommen werden. Bei einem Felsenbeinbruch oder einem Schädelbasisbruch sollte geröntgt werden und/oder Computertomografie (CT) durchgeführt werden. Bei den Gehörerkrankungen Morbus Meniere und Neuronitis vestibularis sollte ein Gleichgewichtstest durchgeführt werden. Sollten Durchblutungsstörungen die Ursache für den Drehschwindel sein, sollte man sich einer Doppler-Sonographie der Gefäße unterziehen.

Im Kopf:

Im Gehirn werden viele Schwindelarten hervorgerufen, die ernste Maßnahmen erfordern. So zum Beispiel Epilepsie, Multiple Sklerose oder Migräne. Hier helfen meist nur die Kernspintomographie (MR), Lumbalpunktion, Elektroenzephalogramm (EEG) oder eine neurologische Untersuchung. Bei einem Schlaganfall muss eine Computertomographie (CT) und die Doppler-Sonographie der Gefäße durchgeführt werden. Bei Enzephalitis muss Blut untersucht und gleichzeitig eine Lumbalpunktion durchgeführt werden. Sollte eine abgenutzte Halswirbelsäule den Drehschwindel hervorrufen, muss geröntgt werden bevor eine genaue Behandlung von statten gehen kann.

Lagerungsschwindel
Zu einer fundierten Schwindeluntersuchung gehört ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt

Es empfiehlt sich, die Ursachen in einer Schwindelambulanz abklären zu lassen.